Historik


2.Weltkrieg 

 

Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann der von Adolf Hitler seit langem geplante Krieg um "Lebensraum im Osten". In Deutschland löste der Kriegsbeginn trotz der massiven NS-Propaganda vor allem Bedrückung aus. Viele Menschen blickten angstvoll in die Zukunft, den meisten Erwachsenen waren die Erinnerungen an die katastrophalen Folgen des Ersten Weltkrieges noch zu präsent. Die Erfolge der Wehrmacht auf den Kriegsschauplätzen erzeugten in der Heimat jedoch schnell eine spürbare Siegeseuphorie, die auch in den ersten Monaten nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 noch anhielt. Dieses kollektive Stimmungshoch in dem halb Europa beherrschenden Deutschen Reich stand im krassen Kontrast zu der allgemeinen Perspektiv- und Trostlosigkeit, die nur wenige Jahre später im besiegten, besetzten und weitgehend zerstörten Deutschland vorherrschten.

 

 

Das NS-Regime erfreute sich nach 1933 vor allem aufgrund sozialpolitischer Maßnahmen und außenpolitischer Erfolge wachsender Zustimmung in der deutschen Bevölkerung. Die meisten Menschen in Deutschland, aber auch im Ausland konnten oder wollten jedoch angesichts der Erfolge Hitlers dessen wahre Absichten nicht erkennen: Nur vier Tage nach seiner Ernennung zum Reichskanzler hatte Hitler
am 3. Februar 1933 vor den ranghöchsten Offizieren der Reichswehr über die gewaltsame Eroberung von "Lebensraum im Osten" gesprochen. In der geheimen Denkschrift zum Vierjahresplan vom August 1936 hieß es kategorisch, die deutsche Armee müsse "in vier Jahren einsatzfähig, die deutsche Wirtschaft in vier Jahren kriegsfähig sein". Mit der Bildung eines ihm ergebenen Oberkommandos der Wehrmacht  (OKW) 1938 hatte Hitler die Armee nun erheblich besser im Griff als zuvor. Dass die deutsche Bevölkerung von nun an auf einen Krieg eingestellt werden müsse, forderte Hitler von der deutschen Presse einen Tag nach dem "Novemberprognom" von 1938, das eine Vorstellung von dem aufkommen ließ, wozu die Nationalsozialisten fähig waren. Dennoch wurden Hitlers Äußerungen, nach denen ein neuer Krieg in Europa mit der "Vernichtung des Judentums" enden würde, kaum ernst genommen.

 

 

Als mit der Zerschlagung der Resttschechei im März 1939 auch die letzte Voraussetzung Hitlers für den Beginn des von Deutschland seit 1933 systematisch vorbereiteten Krieges erfüllt war, garantierten Großbritannien und Frankreich die Unabhängigkeit Polens. Davon unbeeindruckt, wies Hitler die Wehrmacht Anfang April 1939 an, einen Feldzug gegen Polen vorzubereiten. Seinen 50. Geburtstag vor Augen, wollte er den Krieg möglichst bald, noch auf der Höhe seiner "Schaffenskraft", führen. Nachdem Deutschland Verhandlungen mit der Sowjetunion begonnen und am 23. August 1939 in Moskau einendeutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt unterzeichnet hatte, war vielen Deutschen klar, dass mit dem Pakt der jahrelangen "Todfeinde" ein Krieg unmittelbar bevorstehen könnte.

"Polen hat heute Nacht zum erstenmal auf unserem eigenen Territorium auch bereits durch reguläre Soldaten geschossen. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen. Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten." Mit diesen Worten verkündete Adolf Hitler am Morgen des 1. September 1939 den Beginn des Krieges gegen Polen. Die im Rundfunk übertragene Reichstagsrede sollte den deutschen Überfall auf Polen vor der Öffentlichkeit in Deutschland und der Welt als Verteidigungskrieg legitimieren. Die Benutzung des Begriffes "Krieg" war vom NS-Regime ausdrücklich untersagt: Die NS-Propaganda sprach von einer "Strafaktion" wegen angeblicher Provokationen und Grenzverletzungen Polens.

Die hochgerüstete Wehrmacht besiegte die polnischen Truppen innerhalb von fünf Wochen. Frankreich und Großbritannien erklärten als Verbündete Polens dem Deutschen Reich zwar den Krieg, griffen aber militärisch nicht ein. Am 17. September fiel gemäß der Geheimvereinbarung im "Hitler-Stalin-Pakt" auch die Rote Armee von Osten her in Polen ein. Damit war die Teilung des Landes besiegelt. Nach dem Sieg im Oktober 1939 gliederte das NS-Regime okkupierte polnische Gebiete an das Deutsche Reich an. Das als "Generalgouvermont" bezeichnete "Restpolen" wurde einer deutschen Zivilverwaltung unterstellt. Die ostpolnischen Gebiete fielen an die Sowjetunion. Kriegsführung und deutsche Besatzungspolitik in Polen standen ganz im Zeichen der NS-Rassenideologie: Sie nahmen keinerlei Rücksicht auf die dort lebende Bevölkerung, für die Willkür und Repressionen nun zum Alltag gehörte. Schon ab Herbst 1939 ermordeten die deutschen Besatzer zu Zehntausenden Angehörige der polnischen Führungsschicht. Im Zuge der "Germanisierung" deportierten und vertrieben die Deutschen Hunderttausende Menschen aus ihrer Heimat in das "Generalgouvernement". Der Terror in Polen richtete sich in besonderem Maße auch gegen die jüdische Bevölkerung, die in Ghettos zusammengepfercht wurde.

Der deutsche Überfall auf Polen bildete den Auftakt zu einem zweiten Weltkrieg mit Kämpfen zunächst in Nord- und Westeuropa, die Adolf Hitler aus strategischen Gründen zu vermeiden gehofft hatte. Um die Versorgung mit schwedischem Erz sicherzustellen, begann am 9. April 1940 der "Wettlauf" mit Großbritannien um die Besetzung Dänemarksund Norwegens. Am 10. Mai 1940 begann mit der deutschen Westoffensive die Besetzung der Benelux-Staaten und Frankreichs. Schon nach zehn Tagen standen deutsche Verbände an der Kanalküste. Was von 1914 bis 1918 nicht gelungen war, erreichte die Wehrmacht in rund sechs Wochen: Am 14. Juni wurde Paris nahezu kampflos besetzt. Rund eine Woche später kapitulierte Frankreich. Zugute geschrieben wurde der unerwartet schnelle Sieg über den "Erbfeind" Adolf Hitler persönlich: Im Sommer 1940 stand er als "Größter Feldherr aller Zeiten" auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Auch traten entgegen den Befürchtungen der meisten Deutschen anfänglich keine ernsthaften Versorgungsprobleme auf, so dass sich ihr alltägliches Leben zunächst kaum änderte.

Nach der Kapitulation Frankreichs wollte die NS-Führung auch Großbritannien möglichst schnell niederringen, um den Rücken für den beabsichtigten Krieg gegen die Sowjetunion frei zu haben. Zur Vorbereitung der geplanten Invasion und um den Verteidigungswillen der britischen Bevölkerung zu brechen, bombardierte die deutsche Luftwaffe in der "Luftschlacht um England" ab Mitte August 1940 verstärkt das dicht besiedelte London und andere Zentren der britischen Rüstungsindustrie wie Birmingham, Sheffield und Coventry. Im Krieg gegen Großbritannien stieß die Wehrmacht aber zum ersten Mal auf einen für sie völlig unerwartet hohen Widerstand. Die deutsche Führung wartete trotz der massiven Luftoffensiven mit Zehntausenden Opfern vergeblich auf die Kapitulation der Briten, die Premierminister Winston Churchill auf einen mit "Blut, harter Arbeit, Tränen und Schweiß" verbundenen Durchhaltewillen eingeschworen hatte. Die Pläne zur Eroberung Großbritanniens mussten nach hohen Verlusten für die deutsche Luftwaffe im Frühjahr 1941 aufgegeben werden. Zur gleichen Zeit leistete Deutschland dem von britischen Truppen bedrängten Bündnispartner Italien in Nordafrika  und auf dem Balkan militärische Unterstützung. Damit sollte die strategische Ausgangslage vor dem geplanten Krieg gegen die Sowjetunion gesichert werden.

Den seit langem geplanten Krieg gegen die Sowjetunion proklamierte das NS-Regime als Kampf gegen den "jüdischen Bolschewismus". Die vom deutschen Überfall am 22. Juni 1941 offensichtlich völlig überraschten sowjetischen Truppen zogen sich unter erheblichen Verlusten weit zurück. Mit schnellen Panzervorstößen gelangen der Wehrmacht gewaltige Raumgewinne. Ende 1941 stand sie siegesgewiss vor Moskau. Im Schnee und Frost stoppten aber Gegenoffensiven der Roten Armee einen weiteren Vormarsch auf die Hauptstadt. Der Krieg im Osten radikalisierte den Zweiten Weltkrieg in jeder Hinsicht: Er war von den Deutschen als Vernichtungskrieg geplant, und als solcher wurde er von Beginn an geführt. Im Vordergrund standen die Eroberung von "Lebensraum" sowie die Ausbeutung der eroberten Gebiete und der dort lebenden Menschen als Zwangsarbeiter. Der Osten sollte das Deutsche Reich mit Nahrungsmitteln versorgen und "arisch" besiedelt werden. Dabei wurde der Tod von vielen Millionen Sowjetbürgern fest eingeplant. Das ungeheure Ausmaß langfristiger deutscher Siedlungspläne in Osteuropa verdeutlicht der 1942 vorgelegte "Generalplan Ost": Über 30 Millionen Russen, Ukrainer, Polen und Tschechen sollten nach Sibirien zwangsumgesiedelt werden, um die "deutsche Volkstumsgrenze" bis zum Ural zu verschieben.

Der Terror gegen die Zivilbevölkerung wurde zum alltäglichen Instrument der Kriegsführung. Gefangene Rotarmisten waren ganz gezielt dem Hungertod preisgegeben. "Einsatzgruppen" ermordeten im rückwärtigen Frontgebiet systematisch die jüdische Bevölkerung, aber auch Sinti und Roma sowie kommunistische Funktionäre. Die sowjetische Zivilbevölkerung in ihrer Gesamtheit litt unter dem Besatzungsterror, der häufig in einem erbitterten Partisanenkrieg mündete. Nachdem die NS-Führung im Sommer 1941 den  Völkermord  den Juden beschlossen hatte, wurden Hunderttausende aus Europa in die dafür errichteten Vernichtungslager deportiert und ermordet. Nach der "Wannsee-Konferenz" vom Januar 1942 setzte der NS-Staat alle Mittel ein, um den Völkermord europaweit zu koordinieren und systematisch durchzuführen. Die Kriegsführung wurde noch stärker von den Maßnahmen zur "Endlösung" überlagert. Statt etwa die deutsche Offensive mit dringend benötigten Transportkapazitäten zu unterstützen, brachten Tausende von Güterzügen Juden aus Westeuropa nach Auschwitz und in die anderen Vernichtungslager im Osten. Während die Vernichtungsmaschinerie ihren Höhepunkt noch nicht überschritten hatte, war die militärische Niederlage Deutschlands 1942 längst absehbar.

Das Deutsche Reich kämpfte ab 1942 gegen eine feste Koalition aus den USA, Großbritannien und der Sowjetunion. Deren überlegene Kampfkraft bestimmte das Kriegsgeschehen immer eindeutiger. Zwar gelangen der Wehrmacht im Sommer 1942 noch einmal große Geländegewinne im südlichen Frontabschnitt der Sowjetunion, jedoch begann schon wenig später ihr erzwungener Rückzug nach Westen. Die deutsche Herrschaft in Europa begann 1943 zu bröckeln. Zum Symbol der Kriegswende im Osten wurde Stalingrad, wo die verlustreiche Niederlage der Wehrmacht zu Jahresbeginn 1943 die Moral von vielen Deutschen zutiefst erschütterte. Im Deutschen Reich ließ sich das Grauen an der Front meist nur durch die zunehmende Zahl von Anzeigen erahnen, die über den "Heldentod fürs Vaterland" eines nahen Angehörigen informierten.

Unter dem unmittelbaren Eindruck der Katastrophe in Stalingrad proklamierte ReichspropagandaministerJoseph Goebbels in seiner Sportpalastrede am 18. Februar 1943 den "Totalen Krieg". Die "opferbereite Heimatfront" sollte mit der Mobilisierung der letzten personellen und materiellen Ressourcen noch einmal zu Höchstleistungen angespornt werden. Mit der Mobilisierung aller Reserven in der Heimat und an der Front einher ging die Verschärfung des Terrors und des Kriegsstrafrechts. Die Zahl von Todesurteilen wegen Defätismus oder Wehrkraftzersetzung stieg ab 1943 stark an. Gleichzeitig schlug der Krieg immer öfter auf Deutschland zurück. Mit systematischen Flächenbombardierungen reiner Wohnviertel fernab von Militär- und Industrieanlagen wollten Briten und Amerikaner die Moral der Deutschen brechen. Die gezielten Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung steigerten aber zumeist deren Durchhaltewillen und den Hass auf den Feind.

Als die Listen der bei Luftangriffen getöteten Zivilisten ab 1943 bis dahin unbekannte Ausmaße annahmen, zweifelten jedoch immer mehr Deutsche am militärischen Erfolg und am Sinn des Krieges. Doch nur wenige waren motiviert, den Weg in den aktiven Widerstand zu beschreiten. Dennoch bestärkte der Krieg eine Reihe von Deutschen in ihrem Willen, gegen das verbrecherische NS-Regime aktiv zu werden. Der erfolgversprechendste Versuch eines Staatsstreichs gegen die NS-Führung scheiterte am 20.Juli 1944, nachdem Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine Zeitzünderbombe in Hitlers ostpreußischem Hauptquartier "Wolfsschanze" deponiert hatte. Nur leicht verletzt, bezeichnete Hitler sein Überleben als "Zeichen der Vorsehung".

Je näher die Alliierten auf die Reichsgrenzen vorrückten, desto stärker entfachte die NS-Propaganda den Widerstandswillen der Bevölkerung "bis zum Endsieg" und gegen die "rasende Rachsucht" der Roten Armee. Diese stand im Sommer 1944 etwa dort, von wo aus die Wehrmacht drei Jahre zuvor den Angriff auf die Sowjetunion begonnen hatte. Mit der deutschen Rückzugsstrategie der "verbrannten Erde" sollte der sowjetische Vormarsch so lange wie möglich aufgehalten werden. Trotz der unabwendbaren Niederlage wurden noch Hunderttausende Soldaten sowie Volkssturmkämpfer  in militärisch sinnlose Schlachten geschickt. In ihrem ungebrochenen Fanatismus befahl die militärische Führung den Soldaten, unhaltbare Stellungen bis zur sprichwörtlich letzten Patrone zu verteidigen. Riesige Trecks von Flüchtlingen vor sich her treibend, erreichte die Rote Armee im Januar 1945 die Oder und Neiße. Drei Monate später verlief die Ostfront entlang der Außenbezirke von Berlin.

Im Westen marschierten die Alliierten nach derLandung in der Normandie im Juni 1944 weitgehend nach Plan vor. Anfang September 1944 war Frankreich vollständig befreit, wenig später stieß ein amerikanischer Spähtrupp bei Trier erstmals auf Reichsgebiet vor. Nachdem die letzte deutsche Offensive in den Ardennenim Winter 1944/45 gescheitert war, besetzten alliierte Truppen große Gebiete des Deutschen Reiches im Westen. Hier wurden sie von der Bevölkerung zumeist freundlich begrüßt. Die Menschen waren erleichtert, dass Amerikaner, Briten und Franzosen und keine Rotarmisten als Besatzer einrückten. Mit der Besetzung ihres Heimatortes war der Krieg für die Menschen weitgehend beendet.

Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht endeten am 8. Mai 1945 der von Deutschland entfachte Krieg und die zwölfjährige NS-Herrschaft. Die meisten Deutschen, sofern sie nicht aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen verfolgt oder inhaftiert worden waren, empfanden die Kapitulation nicht als Befreiung, sondern als Zusammenbruch. Aber auch bei ihnen herrschte Erleichterung über das Ende des Krieges, der weltweit über 50 Millionen Menschenleben forderte. Für viele Deutsche stand das Kriegsende im Zeichen von Ungewissheit und Angst vor der Zukunft. Angst hatten die Menschen vor einem Frieden, der Deutschland diktiert werden könnte, und vor harten Strafen für begangene Verbrechen in Europa. Viele NS-Funktionäre wählten in den letzten Kriegstagen deshalb den Freitod. Andere Männer und Frauen begingen Selbstmord, weil der bis zuletzt propagierte "Endsieg" ausblieb und sie nach 1918 eine erneute Kriegsniederlage Deutschlands nicht ertragen konnten. Millionen Flüchtlinge, Ausgebombte und Kriegswaisen begaben sich 1945 in einem durch Verlust und Zerstörung veränderten Deutschland auf die schwierige Suche nach einer neuen Heimat.

 

In allen kriegsbeteiligten Staaten hinterließ der Zweite Weltkrieg Spuren und gesellschaftliche Risse, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Entlang der Frontverläufe waren Dörfer, Städte, Infrastrukturen und Versorgungseinrichtungen zerstört oder beschädigt, Überlebende traumatisiert. Wohnraummangel, Versorgungsschwierigkeiten sowie Seuchen und Hungersnöte mit ungezählten Toten herrschten in weiten Teilen Europas, wo die Menschen angesichts der Kriegsfolgen und wirtschaftlichen Krisen einer unsicheren Zukunft entgegenblickten.

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Britisches Empire

 

 

das ehemalige britische Weltreich (British Empire), das zur Zeit seiner größten Ausdehnung (1921) etwa 38 Mio. km2 mit 450 Mio. Bewohnern umfasste. Im 20. Jahrhundert wandelte sich das Britische Reich in das Commonwealth of Nations.

Geschichte

Ursprünge und 1. Empire

Nach dem Verlust des kontinentaleuropäischen Besitzes im 100-jährigen Krieg gegen Frankreich (13391453) und nach der Beendigung des Bürgerkriegs zwischen der Roten und der Weißen Rose (14551485) gab die Entdeckung Amerikas 1492 den Anstoß zur Hinwendung Englands zum See- und Kolonialhandel, die in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts endgültig vollzogen wurde. Dabei geriet England in Konflikt mit den Interessen der Weltkolonialmacht Spanien. Es entwickelte sich ein unerklärter Dauerkrieg auf den offenen Meeren, der Handels-, Religions- und Piratenkrieg zugleich war, schließlich auf Europa übergriff und in der Vernichtung der spanischen Armada (1588) gipfelte.
Die einzelnen Abenteurer, Kaufleute und Entdecker der elisabethanischen Zeit legten im Zusammenspiel mit der staatlichen Politik die Grundlagen für die Entstehung des britischen Weltreiches. Seit 1562 organisierte John Hawkins (* 1532,  1595) den Sklavenhandel zwischen Afrika und Westindien; 15771580 umsegelte Sir Francis Drake die Welt; 15831585 siedelten Sir Walter Raleigh und Sir Humphrey Gilbert(* 1537,  1583) in Neufundland und Virginia. Die ersten Handelsgesellschaften der Merchant Adventurers (wagemutige Kaufleute) wurden 1552 privilegiert (Chartered Companies): die Russische Handelskompanie (seit 1555) als Nachfolgerin der Hanse (1598 Schließung des Londoner Stalhofs), die Levante-Kompanie (seit 1583) gegen die Venezianer, die Ostindische Kompanie (seit 1600) gegen die Holländer, die London-und die Plymouth-Gesellschaft zur Besiedlung des 1606 für englisch erklärtennordamerikanischen Gebiets zwischen dem 34. und 45. Breitengrad. Die ersten Siedlungsbemühungen scheiterten allerdings. In Nordamerika stellte sich Erfolge erst mit der Einwanderung der Puritaner (1620 Pilgerväter der Mayflower) ein. 1612 wurden die Bermudas, 1623 Saint Kitts, 1627 Barbados, 1655 Jamaika besetzt. Die 1618 errichtete Afrikanische Gesellschaft (1672 neu gegründet) erhöhte die Zahl der Handelsstationen an der westafrikanischen Küste, um die britische Position im Sklavenhandel zu sichern.
 
In Indien wurden seit 1611 Faktoreien angelegt. Im 17. Jahrhundert wurde Holland, das zum Träger des europäischen Kolonialhandels aufgerückt war, der Hauptgegner Englands. Die von O. Cromwell 1651 erlassene Navigationsakte (Wareneinfuhr nur auf englischen Schiffen oder denen des Ursprungslands) und die folgenden Seekriege mit England trafen den holländischen Zwischenhandel jedoch vernichtend. 1664 wurde durch Erwerbung Neu-Amsterdams (New York) die Verbindung zwischen Virginia undden Neuengland-Staaten hergestellt. 1704 kamen Gibraltar, der Schlüssel zur Mittelmeerherrschaft, 1714 Neufundland und Neuschottland von Frankreich zum Britischen Reich.
Während des europäischen Siebenjährigen Kriegs (17561763) gewann das Britische Reich Indien und fast das ganze kolonisierte Nordamerika hinzu.
Staatsrechtlich und administrativ war das Britische Reich bis zum Ende des 18. Jh. eine lose Verknüpfung von formellen Kolonien (Nordamerika, Karibik), militärischenStützpunkten (Gibraltar) und Handelsposten mit angrenzenden Einflusszonen, die einen halboffiziellen Status hatten. Die Kolonien standen unter der Kontrolle der Krone, nicht des Parlaments. Erst nach 1760 wurde die Doktrin der Parlamentssouveränität auch auf die Kolonien ausgedehnt. Der Streit um das Recht des englischen Parlaments, die nordamerikanischen Kolonien zu besteuern (no taxation without representation), spielte bei der Entstehung der amerikanischenUnabhängigkeitsbewegung eine große Rolle. In den Kolonien war die Krone durch einen Gouverneur mit Beamtenstab vertreten, der sich nach ausführlichenInstruktionen des Board of Trade (Handels- und Kolonialamt) in London zu richten hatte. Ihm standen Vertretungen der Kolonisten gegenüber, deren legislativer Spielraum begrenzt und an ein Prüfungsrecht des Privy Council in London gebunden war.
Das Ende des sog. 1. Empire kam, als das in den nordamerikanischen Kolonien erstarkte Selbstbewusstsein sich gegen die straffere Kolonialpolitik nach 1763 undgegen die merkantilistische Bevormundung richtete. Die von den 13 Kolonien 1776 erklärte Unabhängigkeit musste von der englischen Regierung 1783 anerkannt werden. Die Bedeutung des 1. Empire war vor allem wirtschaftlicher Art. Im Rahmen einermerkantilistischen Wirtschaftspolitik sollten die Kolonien als Rohstofflieferanten undAbnehmer britischer Waren fungieren, weshalb ihnen selbständige Handelsbeziehungen untersagt waren.

Das 2. Empire

Das Ende der napoleonischen Kriege sah England als erste Kolonialmacht Europas. Es beanspruchte ein Schutzrecht über die holländischen Kolonien, das gegenüber den Kolonisten z. T. gewaltsam durchgesetzt werden musste (1796 Ceylon, 1806 Kapstadt), und erweiterte seine Stützpunkte in der Karibik und im Mittelmeer (1797 Trinidad, 1800 Malta).
Auf dem Wiener Kongress sicherte sich England 1815 gegen Ablösungszahlungen einen Teil der holländischen Kolonien u. erhielt von Frankreich die Seychellen u. Mauritius. In Fortsetzung dieser Politik verschaffte sich England 1819 Singapur, 1833 die Falklandinseln, 1839 Aden u. 1842 Hongkong, das China nach dem verlorenen Opiumkrieg abtreten musste. Zusammen mit der Kapkolonie sicherten diese Erwerbungen den Seeweg nach Indien und zu den asiatischen Märkten. Gleichzeitig begann die Besiedlung Australiens, das zwar zunächst nur als Sträflingskolonie diente, aber angesichts der sozialen Probleme in England durch die Landvergabepolitik der englischen Regierung bald  wie auch Neuseeland  zur Siedlungskolonie wurde.
Diese Aufbauphase fand ihr Ende, als England 1846 zum Freihandel überging undseinem formellen ein informelles Empire hinzufügte, das zwar weder völkerrechtlich noch administrativ mit England zusammenhing, aber im Zeichen des aus derwirtschaftlichen Vormachtstellung Englands erwachsenden politischen Einflusses stand. Die Siedlungskolonien profitierten von der Neuorientierung der englischen Kolonialpolitik insofern, als nun die Ansätze zu einer Verdichtung der englischen Kolonialherrschaft nicht weiterverfolgt wurden und London auch unter dem Eindruck der englischen Kolonialreformbewegung bereit war, den Siedlern größere Selbständigkeit zu gewähren. Der 1839 von kanadischen Protesten getragene Durham-Report führte zur Canada Union Act von 1840, die Ober- und Niederkanada vereinigte und den Siedlern ein größeres Maß an Eigenverantwortung zugestand.
In den folgenden Jahren erhielten auch die anderen Siedlungskolonien Selbstregierungsrechte (1852 Neuseeland, 1855 bis 1859 die australische Kolonien, 1872 die Kapkolonie, 1890 West-Australien, 1893 das 1843 der Kapkolonie einverleibte Natal), deren Rahmen durch die Colonial Law Validity Act von 1865 abgesteckt wurde. Nur in Indien betrieb England weiter Kolonialpolitik im alten Stil. Zwar setzte mit dem India Act von 1833, die das kommerzielle Monopol der Ostindienkompanie abschaffte, eine neue Politik ein, die indes nicht zur Selbständigkeit führte. Das nach dem Sepoy-Aufstand erlassene Indien-Gesetz wies die Regierung Indiens einem Generalgouverneur u. einem Staatssekretär für Britisch-Indien in London zu.
In den 1870er Jahren kam es unter Benjamin Disraeli zu einer neuerlichenKehrtwendung der britischen Politik, die von der Veränderung der europäischenMachtverhältnisse nach der deutschen Reichsgründung und der neuen Wirtschaftslage ebenso bestimmt war wie von einer regen imperialistischen Publizistik. Disraeli setzte auf ein Bündnis mit dem Islam und ging an den Bau einer Landbrücke nach England über Nordafrika und den Nahen Osten (1875 Ankauf der Suez-Kanal-Aktien, 1878 Zypern). 1876 wurde Königin Victoria als Kaiserin von Indien ausgerufen.
Disraelis Nachfolger W. E. Gladstone versuchte zwar eine Revision derimperialistischen Politik und gab 1885 auf der Kongo-Konferenz gegenüber deutschenund französischen Ansprüchen nach, konnte aber 1882 doch nicht umhin, Ägypten zu besetzen. Unter R. A. Salisbury kehrte England zur imperialen Politik zurück undbeteiligte sich an der Aufteilung Afrikas (1884 Njassaland, 1885 Betschuanaland, 1889 Rhodesien, 1893 Kenia, 1894 Uganda, 1898 engl.-ägypt. Kondominium über den Sudan, 1900 Nigeria). Dahinter stand die von Männern wie C. Rhodes vertretene Vorstellung, der Kairo-Singapur-Achse müsse eine Kap-Kairo-Achse hinzugefügt werden. Der Höhe- u. Wendepunkt dieser Politik, die von der englischen Publizistik nachdrücklich unterstützt wurde, waren die Reichspläne des Kolonialministers J.Chamberlain, der das Empire zu einem durch Zollmauern vereinheitlichten Wirtschaftsraum machen wollte, und der Burenkrieg (18991902), der England zwar den Oranje-Freistaat und Transvaal brachte, aber die imperialistische Politik diskreditierte.
 
In den Kolonien sah sich England wachsenden Selbständigkeitstendenzen gegenüber, die sich in einer Föderationsbewegung der räumlich beieinander liegenden Kolonien nach dem Vorbild der Föderation der kanadischen Kolonien zum Dominion of Canada (bereits 1867) ausdrückte (1910 Federal Commonwealth of Australia, 1910 Südafrikanische Union). Diese und andere Kolonien erhielten nach der Kolonialkonferenz von 1907 die Bez. Dominions, die Eduard VII. bei seiner Thronbesteigung schon in seinen Titel aufgenommen hatte.

Vom Empire zum Commonwealth

Der 1. Weltkrieg brachte zwar durch die deutschen Kolonien und das türkische Erbe in Vorderasien neuen Zuwachs in Form von Völkerbundsmandaten, aber die Selbständigkeitsbestrebungen innerhalb des Britischen Reichs erhielten einen starken Anstoß. 1926 wurde schließlich das British Commonwealth of Nations geschaffen. 1931 erhielt die neue Struktur des Britischen Reiches durch das Statut von Westminster Rechtskraft. Aus den Generalgouverneuren wurden Repräsentanten der Krone, während die Beziehungen zwischen den Regierungen durch Hochkommissare im Sinne von Botschaftern wahrgenommen wurden. Im Krönungseid Georgs VI. wurden alle Dominions einzeln aufgeführt. In Bezug auf die noch verbliebenen Kolonien verband sich diese Politik mit einer ersten Phase der Dekolonialisierung, die im Falle des britische Kolonialreichs in das Commonwealth hinein erfolgen konnte.
Der 2. Weltkrieg brachte keine Festigung des britischen Commonwealth, obwohl die Dominions die englischen Kriegsanstrengungen nach Kräften unterstützten. Die Labour-Regierung (seit 1945) trug der Tatsache Rechnung, dass England in der Mächtekonstellation der Nachkriegszeit an politischer Bedeutung eingebüßt hatte, undsetzte die vor dem Krieg begonnene Dekolonialisierung mit der Entlassung Indiens in die Unabhängigkeit (1948) entschieden fort. 1950 und 1956 wurden Indien und Pakistan Republiken. In England wurde aus dem Dominion Office das Commonwealth Relations Office, das 1968 mit dem Außenministerium verschmolzen wurde. Die Bezeichnungbritisch verschwand ebenfalls. Seit 1948 waren alle im Commonwealth lebenden Menschen nicht mehr British Subjects, sondern Commonwealth Subjects.
Die Entkolonialisierungswelle der 1950er und 1960er Jahre veränderte das innere Gefüge des Commonwealth insofern, als das bis dahin im Rahmen des Commonwealth bestehende britische Kolonialreich bis auf wenige Kronkolonien zusammenschmolz und die in die Unabhängigkeit entlassenen Kolonien den Status von Dominions erlangten. Die Folgen der Entkolonialisierung für die ehemaligenKolonialherren ebenso wie für die ehemaligen Kolonien wurden damit allerdings kaum abgefangen, obwohl sich England gegen die Interessen seiner Siedlungskolonien Südafrika und Rhodesien unmissverständlich zum Grundsatz der Gleichberechtigung der verschiedenen ethnischen Gruppen bekannte und 1961 den Austritt Südafrikas sowie 1965 und 1970 die einseitige Unabhängigkeitserklärung Rhodesiens hinnehmen musste. Die Möglichkeit des Austritts aus dem Commonwealth, von der die Republik Irland und Birma zum ersten Mal Gebrauch machten (1947), zeigte, wie sehr sich das Commonwealth von einer völkerrechtlichen Einheit zum losen Zweckverband umgebildet hatte.
Heute ist das Commonwealth mehr ein historisches Relikt als eine einflussreiche politische und wirtschaftliche Größe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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